Family, Food, Life

Indianergeschichten

Gestern war ja Thanksgiving. Wir hatten Freunde da, das Essen hat – wenn ich mich mal selbst loben darf – diesmal richtig gut geschmeckt und es war ein rundrum schöner Abend.

Aber vor dem Schmausen hatten die Götter den Schweiß gesetzt. Ich war für die Essensherstellung zuständig und der Autor hatte der Part der Volksaufklärung inne. Im besten Kindergarten von allen hatte man nämlich nachgefragt, ob einer von uns den Kurzen Thanksgiving erklären könnte. Und vielleicht als praktisches Beispiel diesen Nationalkuchen

„Wie hieß er noch gleich? Ach ja, AppleCake oder so. Davon haben die Kinder letztes Mal keinen Krümmel übrig gelassen.“…

So saß also der Autor, der letztens erst einen Vortrag vor 500 Leute ohne mit der Wimper gehalten hat, im Auto sehr still und in sich gekehrt neben mir. Auf dem Schoß einen Globus und eine Schüssel mit Kartoffel, Mais und Tomate als Anschauungsmaterial.

„Sag mal, bist Du nervös?“

„Ja“

„Wieso bist Du nervös, Du sprichst adhoc vor hochrangigen Professoren. Das sind Kinder!“

„Eben. Hast Du nicht den Kindergartencop geguckt? Und jetzt sei ruhig, ich muß mich konzentrieren“

„Okeeeeeeeee“

Nach Aussagen von Kind Nummer Zwei waren alle begeistert, zwar sah man echte Probleme mit der Zuordnung von Ländern wie „England?? Amerika???“ in den ratlosen, kleinen Gesichtern, die sich aber abeschlagartig bei dem Wort „Indianer!!!! Die kennen wir!! Yakari und kleiner Donner! Schneller Bogen! Kleine Wolke! “ in Freude wandelten.

Ja, Kulturimperialismus fängt schon bei den Kleinsten an. Mit Indianern und ApplePie. Wenn das Karl May wüßte.

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Was auf den Tisch kommt

Gestern hatte sich der Autor sein Lieblingsessen gewünscht. Reis mit Hackfleisch und Gemüse, asiatisch bitte. Und da ich eine gute Ehefrau bin, hab ich ihm diesen Wunsch erfüllt.

Am Abendbrottisch legte ich also der vorpubertären Fraktion der Familie auf und stellte es vor den jeweiligen Sproß, als mein Sohn erst das Essen und dann mich anstrahlte

„Oh, Mama, Kacka…cool“

und fröhlich anfing zu löffeln. Worauf dann meine Tochter das Gesicht verzog und meinte, sowas würde sie nicht essen. Es hat den Autor und mich echte Überredungskunst gekostet, sie davon zu überzeugen, daß es nicht das war, wonach es aussah.

Ich werde dann demnächst einen VHS-Kurs besuchen, in dem man lernt, Essen nicht nur schmackhaft zu kochen (sie haben sogar noch die Pfanne ausgekratzt – alle. Nachdem dann die Grundsätzlichkeiten geklärt waren) sondern auch noch nett anzurichten.

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Bis das der Tod Euch scheidet

Ich war heute eine Scheidung feiern. Meine erste. Also nicht meine, sondern die einer lieben Freundin.

Erst bin ich mit ins Gericht (und hab draußen gewartet) und dann sind wir zusammen essen gegangen und zwar hier und danach da – es war sehr angemessen!

Nun kann man sich ja darüber streiten, ob man eine Scheidung feiern sollte. Immerhin ist es ja das Ende von etwas, was für die Ewigkeit halten sollte. Aber auf der anderen Seite – man beginnt diese Ewigkeit ja auch mit einer Feier und gutem Essen, also sollte sie auch so enden. Dann hat alles einen Rahmen, der Kreis schließt sich und man kann sich auf etwas Neues konzentrieren.

Und außerdem schmeckt es.

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Das kluge Kind baut vor

Es wird nicht mehr lange dauern und das Jugendamt steht hier wirklich vor der Tür. Nicht nur, daß meine Kinder keinerlei Spielzeug besitzen („Maaaaaaann, mußt Du mich schon abholen, zuhause ist es sooooo langweilig!“). Nein, es gibt auch nichts zu essen.

Erst heute abend mußte meine Tocher sich bei ihrer Freundin ihr Abendbrot zusammen schnorren. Sie war schon angezogen – endlich – als sie sich noch mal an die Freundinmutter mit den Worten wandte:

„Duuuhuu, hast Du noch eine Scheibe Brot für mich zum Mitnehmen“

Wie peinlch ist das denn bitte? Ein Kind, das woanders mit vor Hunger fast ersterbender Stimme um Brot bittet. Wo ist das Mauseloch, wenn man es braucht? Und um das Ganze ein wenig zu steigern, schaute Kind Nummer Zwei die Mutter sehr treuherzig mit großen Augen an und meinte

„Auch, Boot, auch“

Und weil der peinlichste Weg manchmal auch der einfachste ist (und die Freundinmutter schließlich auch zwei Sprösslinge hat und somit weiß, wie sowas einzuordnen ist (hoffe ich jedenfalls)) haben die Kinder ihr Brot bekommen. Und Mutter zwei Tüten selbstgepflückte Äpfel vom im Garten stehenden Baum – damit der Autor und sie auch irgendwie übers Wochenende kommen.

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Resistance is futile

Ich bin nun seit 12 Jahren mit dem Autor zusammen und seit knapp 10 Jahren sind wir verheiratet. Vieles hab ich durch ihn kennengelernt, ausprobiert und für gut befunden. Einiges fand ich eher seltsam, aber ok. Und ein paar Sachen gehen gar nicht. Dazu gehört Erdnussbutter. Mal abgesehen davon, daß das Zeug mehr Kalorien hat als Rübensirup und Nutella zusammen, schmeckt es wie Socken in Turnschuhen nach einem Marathonlauf. Eines der sichersten Beweise dafür, daß Amerikaner einen eher ausgefallenen Geschmackssinn haben. Jedenfalls steht das Zeug bei uns im Vorratsschrank und wartet auf die Verwendung als Saucen-Basis für Saté-Spieße.

Jedenfalls bis vor zwei Stunden. Da überkam mich aus wirklich unerfindlichen Gründen der Drang nach Leicht&Cross mit Erdnussbutter. Dem ersten folgten weitere. Mehrere weitere.

Toll. Jetzt ist mir nicht nur der Spott des Autors und der Schwiegerfamilie sicher. Und das Aufkommen der Frage: Was kommt als nächstes? HotDogs? DrPepper? Oder gar RootBeer?

Jetzt wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben, als dem Autor den Genuß von Mettbrötchen beizubringen – sonst ist das Essensgleichgewicht in dieser Famile in ernster Gefahr.

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Nein, nein meine Möhren ess ich nicht

Abendbrot im Hause S in Z.: Kind Nummer Zwei reiht sich perfekt in diese Familie ein und liebt einen guten, gemischten Salat. Außer die Möhren darin (zu hart), die Salatblätter (die kann er nicht kauen) und die Paprika (keine Ahnung warum). Dafür liebt er Gurken, Tomaten und Pilze. Letztere haßt meine Tochter. Zusammen mit der Paprika. Von Salat, Möhren, Gurken und Tomaten kann sie aber nicht genug bekommen. Im Gegensatz zu dem Autor, für den Tomaten giftig sind (ausser sie liegen tot auf der Pizza), aber sonst ißt er fast alles. Dafür haben alle außer mir die Avocado liegen lassen. Mit dem, was meine Familie aussortiert hat, hätte sich problemlos eine eigene Portion machen lassen mit allem drin.

Die Einzige, die hier den ganzen Salat isst, bin ich. Was natürlich daran liegen kann, daß ich hier diejenige bin, die kocht.

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Sieg der alten Gourmetwelt

Unsere Kinder werden ja von zwei grundsätzlich verschiedenen Ernährungsweisen beeinflußt. Der Autor mag bekanntermaßen Fast-Food und Essen, das schnell geht. Er verdirbt die Brut führt die Kinder an Dosenmais und McDonalds heran. Ich hingegen versuche alles frisch und kulinarisch hochwertig zu kochen, um sie zu bodenständigen Gourmets heranzuziehen.

Manchmal jedoch siegt auch bei mir das Pragmatische. So wie heute. Ich bin mit Kind Nummer Eins erst um halb sechs zum Einkaufen losgekommen und mußte vor den Lebensmitteln noch ein Zelt (Tochter und Vater wollen auf gefährliche Nachtexpedition im Garten gehen) und Babysonnenhut (der vorherige von Kind Nummer Zwei ist den Hunden der Tagesmutter tragisch zum Opfer gefallen) kaufen gehen. Um halb sieben kam ein Anruf vom Autor, was er denn bitte dem bei ihm verbliebenen Kinde zu essen machen sollte (was ich seinem Gusto überließ – mal schadet es dem Kind auch nicht Rührei mit Apfelmus zu essen [brrrrrrr Anm.d.A.]) – aber es warf die Frage auf, was ob der kommenden Zeitnot dem Töchterlein serviert werden sollte. Und weil mir so gar nichts einfiel, durfte sie sich was aussuchen. Da sie Milchreis sehr gerne ißt, war es fertiger Milchreis mit Erdbeeren. Mutter schaute auf die Zutatenliste und kaufte sehr zähneknirschend.

Zuhause stürzte sich das Kind – mittlerweile hungrig wie ein Wolfsjunges – auf das abgepackte Zeug. Nach drei Bissen schaute sie mich gequält an und meinte

„Mama, Du ich mag das nicht. Das ist viel zu süss. Muß ich das essen?“

Der innere Vorbeimarsch zog mit einem mittelprächtigen, sehr lauten Orchster vorüber.

„Nein, mein Schatz, wenn Du das nicht magst, laß es liegen. Trotzdem Nachtisch, mein Engelchen“ säuselte die glückliche Mutter.

„Ja, die Nashi-Birne bitte. Mama, ich mag nicht so zu süss essen. Und Mama, Du bist eine viel bessere Köcherin als die im Supermarkt“

Das Kind bekam Nashi-Birne und durfte außerplanmäßig vor der SuperRTL-Schmonzette „Hannah Montana“ essen – etwas, was sonst nur im Urlaub oder hohen Feiertagen vorkommt. Ja! Zwei zu Null für mich und meine Art zu kochen. Das Kind liebt es eben frisch und gesund.

Und die Tatsache, daß sie eine halbe Stunde vorher im Laden bei den Dosen lautstark

„Und Ravioli, Mama, das ist mein bestes Lieblingsessen“

geschrien hat, zeigt nur, wie kulinarisch vielseitig interessiert meine Tochter ist.

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