Life, Literatur

A drum, a drum! MacBeth doth come.

Nur, damit niemand denkt, das hier wäre ein reiner KKK-Blog. Ich kann auch noch ein weiteres K für die Kultur dranhängen, wenn ich will. Ich war nämlich gestern hier. Nicht das hier falsche Vermutungen aufkommen, ich lese nicht die Feuilletons der hiesigen oder gar überregionalen Presse – aber meine ganz persönliche Kulturbeauftragte Frau Lostinabadbook tut das. Und sie war es auch, die einen gemeinsamen Theaterbesuch vorgeschlagen hat.

Nachdem dann also gleich zwei Babysitter abgesagt hatte, sass ich ohne Autor, dafür neben einem leeren Platz im wirklich schönen HauEins, dessen Besucheraltersdurchschnitt wir im übrigen ruinierten. Und zwar nach oben wie nach unten. Es kamen viele Besucher der älteren Generation und erstaunlicherweise noch mehr Leute, die eindeutig am jüngeren Ende der 20er waren. Nur wir Mittdreißiger bis -vierziger, wir waren mal wieder unterrepräsentiert. Was einiges über uns aussagt, finde ich.

Aber egal, der Nebel waberte verheißungsvoll, alles war dunkel und ich ließ mich von dem eher…eh….spartanischen Bühnenbild nicht abschrecken. Nachdem ich Mitte der Neunziger in Bochum mal Spalding Gray´s „Schwimmen nach Kambodscha“ gesehen habe, das mit einer Colakiste als Requisite auskam (und das ich richtig, richtig gut fand), hab ich meine Meinung über spartanische Bühnenbilder revidiert. Und auch hier fehlte so ungefähr alles, was man sich bei einer MacBeth-Aufführung so denken könnte.

Es gab noch nicht mal einen einzigen Dolch, geschweige denn ein Schwert. Aber – und das fand ich wiederum sehr nervenschonend – auch nicht literweise Kunstblut oder aufgespießte Köpfe. Und alle Schauspieler behielten zu jeden Zeitpunkt ihre Klamotten an, was ich immer als sehr großes Plus empfinde.

Was ich ehrlich gesagt recht schwierig fand, war der Spagat zwischen Übertitel und dem Treiben auf der Bühne. Da wir recht weit vorn sassen, mußte ich mich entscheiden – lesen und verstehen, was da vorne abging oder auf die Schauspieler achten und das eine oder andere Detail zu verpassen. Anfangs klebten meine Augen an den Übertiteln – und ich verpaßte dabei ziemlich grandiose Schauspielkunst. Irgendwann bei Mord 5 und 6 entschied ich mich für die Akteure und die Gefahr, eben nicht alles haargenau mitzukriegen – und war gefesselt. Zwei Stunden, ohne Pause durch und es war noch nicht mal anstrengend. Es war gut. Einfach gut.

Obwohl ich zugeben muß, daß ich mich im U-Bahnschacht doch das eine oder andere Mal prüfend umgeschaut habe, ob da nicht ein schwarzer Mann mit wehendem Mantel und wirrem Gesichtsausdruck hinter mir hergestürmt kommt.

So gestählt bin ich dann heute auch bereit, mir ein weiteres Kulturhighlight zu Gemüte zu führen, das der Autor für sich und mich heute abend vorgesehen hat.

Sozusagen als Gegenpart – und als angemessene Unterhaltung für eine Fast-Vierzigerin.

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Internet, Life, Literatur

Erste!

Heute ist Samstag, der 21. März 2009. Dieser Tag wird von Tausenden von hysterischen, meist des englischen mächtigen Teens bis Mittdreißigern herbei gesehnt. Denn – in Amerika kommt die DVD von Twillight raus.

Nun bin ich weit entfernt davon, ein echter Twi-hard zu sein – aber ich dachte mir, es wäre nett den Film zu besitzen. Und jaaaaaa, ich gebe es zu, ich wollte auch die deutschen mir bekannten Fans („Damn, I´m in love with a fictional character!“) ein wenig ärgern.

Nun bekomme ich gestern eine Mail von Amazon. Die DVD käme ja morgen raus und man würde sich bemühen sie direkt zu verschicken, leider wäre da ja noch die Versendezeit, however – man hätte da eine tolle Idee: Wenn ich wollte, könnte ich mir den Film einfach vorab schon mal runterladen, dann könne ich ihn sofort sehen.

Abgesehen davon, daß ich das Wochenende leider gar keine Zeit habe, werde ich ihm mir trotzdem runterziehen. Erstens weil ich es cool finde, daß sowas jetzt funktioniert (also die Kombi aus echter DVD und reinem Film), zweitens, weil da mal einfach jemand mitgedacht hat und ich sowas prinzipiell unterstütze und drittens – weil ich es einfach kann.

Und natürlich hat das nichts damit zu tun, damit ich als möglichst Erste einen mehr als mittelmäßigen Film habe. Niemals nicht.

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Family, Life, Literatur

Noch jemand ´ne Nuß?

Gerade eben kommt meine Tochter sehr empört aus dem Bett in die Küche geflogen und rupft sich die Kopfhörer aus den Ohren.

„Mama, die Märchen auf englisch, die Du mir draufgespielt hast, die sind gar nicht englisch. Die haben da den Nußknacker und der ist nämlich eigentlich deutsch,“

Als kulturbefließene Mutter habe ich natürlich gleich korrigierend eingegriffen

„Schatz, ganz eigentlich ist der Nußknacker ein Ballett und wurde von Tschaikowski geschrieben. Und der wiederum war ein Russe. Die Geschichte ist auf Deutsch und Englisch übersetzt worden. Tschai-kow-ski“

Kind nimmt das so hin, rauscht wieder nach oben und murmelt vor sich hin

„Und der Nussknacker ist doch aus Deutschland“

Hach, denke ich, was für ein schöner Eintrag und mache mich ans Schreiben, goggle aber sicherheitshalber noch mal nach. Tja, und was soll ich sagen? Der Nußknacker wurde ursprünglich doch von einem Deutschen geschrieben und erst später von Tschaikowski zu dem allseits beliebtes Ballett vertont.

Was will mir das sagen, wenn meine Fünfjährige mehr über diese Klassiker weiß, als ich?

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Life, Literatur

Wie man Literatur in Worte fasst

So, ich wäre dann mal wieder da. Nein, nein, ich war nicht krank, ich habe lediglich endlich das vierte Buch der Twillight-Serie glücklich hinter mich gebracht und nehme seit gestern dann wieder an einem geregelten Familien- und Arbeitsleben teil.

Nun hatte ich ja schon mal über meine Sicht, der Literatur geredet und mir dabei ziemliche Kritik eingefangen. Und ich gebe zu, sowas läßt mich ja nicht los. Also hab ich den Autor (kurz vor den Wahlen, er war schier begeistert) in Diskussionen wie „Wer bestimmt eigentlich, was gute und was schlechte Literatur ist? Gibt es da eine Kommission oder so?“ verwickelt.

Das Komitee für den Literaturnobelpreis hat natürlich zwei unumstößliche Kriterien: Der Autor muß aus einem eher nicht englisch oder deutschprechenden Land kommen und keiner darf ihn kennen. Gut. Den diesjährigen kann man sogar aussprechen – wenn man ihn nicht nach zwei Minuten sofort wieder vergessen hat. Aber gibt es noch weitere Kriterien?

Es hilft, wenn der Autor tot ist. Und am allerbesten zu Lebzeiten noch verkannt war – aber das ist nicht zwingend notwendig. Wahrscheinlich hat das den Zweck, daß sich alle möglichen Kritiker sich dann berufen fühlen können, in dem Werk deutungsschwanger herumfuschen zu können, ohne daß sich der Verfasser noch wehren kann. Denn wenn man sich wehrt, hat man verloren – man könnte ja was sagen, was der Kritikergilde nicht gefällt. Und wenn dem dann so ist, dann kann man ja keine Hochliteratur mehr schreiben, denn ein wahres Genie gibt sich ja mit sowas Profanem wie dier Verteidung seines mißgedeuteten Textes nicht ab.

Dann hilft es natürlich, wenn man kein Geld damit macht. Ein Autor, der von seiner Arbeit heute leben kann, verkauft Milionen an Büchern. Das aber wiederum bedeutet, daß Millionen die Bücher verstehen. Und dann kann es schon gar keine hochwertiger Lesestoff sein, da die Masse (sprich: der Käufer) ja bekanntermaßen dumm ist.

Dann wäre da noch der Ansatz, daß der Inhalt des Buches die Welt verändern soll. Oder zumindest die Sichtweise des Lesers auf die Welt. Gut, das kann ich nachvollziehen. Aber bitte mal ganz ehrlich, diese Vorstellung stammt aus einem Jahrhundert, in der wir noch keine Informationsberflutung hatten. Sie stammt aus einer Zeit, in der Bücher neben Theater und Zeitung eine ganz zentrale Rolle in dem Bewußtsein der Menschen gespielt haben. Sie haben erwartet, neue Erkenntnisse zu erlangen. Diese Erwartungshaltung hat sich größtenteils geändert. Will man Meinungen, so schaltet man Fernseher, Radio oder Computer an. Der Zweck der Literatur hat sich komplett geändert – meiner Meinung nach jedenfalls. Nehme ich jedoch ein Buch zur Hand, so will ich unterhalten werden in der einen oder anderen Form.

Jaaaaaaaaaaa, wird es jetzt wieder schallen, viele der Klassiker sind doch pure Unterhaltung. Stimmt. Aber muß ich sie deswegen der Unterhaltung meiner Zeit vorziehen? Literatur hat nämlich noch eine Funktion: Kommunikation. Alleine über diese durchaus streitbare Twillight-Saga habe ich schon Stunden mit meiner Freundin diskutiert (vom Austausch in diversen Foren ganz zu schweigen), nur um danach nahtlos zu Roberts Alter Ego J.D.Robb überzugehen in der Beleuchtung der Darstellung der Frau. Oder einfacher ausgedrückt, ich hätte lieber, wenn meine Tochter Meyer erst mit 30 liest, wenn sie eine gestandene Frau mit genug Selbstbewußtsein ist, als mit 14, wenn das Frauenbild noch sehr formbar ist.

Nichts desto Trotz stellt sich mir die Frage, ob Massenliteratur geschrieben von einer lebenden Person immer nur Schund ist – was durch Rowling eigentlich schon widerlegt ist. Und umgekehrt, ob alles gut ist, nur weil es ein Klassiker ist – für mich persönlich ist Wallenstein der absolute Langeweile-Horror.

Wie auch immer, diese Fragen wird wohl jeder für sich selbst beantworten müssen. Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, mir durch die Reich-Ranitzkis dieser Welt mir meinen ganz persönlichen Lesespaß nicht mehr nehmen zu lassen. Der nächste Gabldon kommt bestimmt.

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