Dialog des Tages

Wir gucken Fernsehen, es kommt eine Sequenz aus Indiana Jones, Teil4.

„Mama, das ist ja Han Solo!“ Eh, jaja?!

„Eh, Schaaaatz, das ist der gleiche Schauspieler.“

„Eeecht, aber doch nicht im ersten Film, der ist doch viel zu alt?“ Wo haben wir versagt?

„Da war er noch jung. Wie Deine Mutter“

„Oh,“

Genau. Oh.

Published in: on 5. März 2016 at 20:33  Comments (1)  

Sportzeug am Morgen

Es gibt ja immer einen feinen Unterschied zwischen einer Meinung haben, wenn man nicht betroffen ist und einer Meinung haben und danach handeln, wenn man dann betroffen ist.

Das gilt für die großen Dinge im Leben wie auch für die kleinen. Beispielsweise finde ich ja, dass Kinder frühzeitig Verantwortung für sich selbst zeigen sollten und es auf lange Sicht niemandem hilft, wenn Mami oder Papi dem Kindi alles abnehmen. So ein Kind muss auch mal die Konsequenzen seine Tuns oder aber Nichttuns spüren. Doch ja, das denke ich ganz bestimmt.

Gestern abend war ich mit der wunderbaren Frau Lostinabadbook mehr oder minder spontan auf der Berlinale in „Sense und Sensibility“, der schnell noch zu Ehren des leider viel zu früh verstorbenen Alan Rickman an des Tages Ende gepackt wurde und ich kam erst um 2 Uhr früh heim, so dass sich der Autor erbarmte und die Kinder heute morgen zur Schule fertig machte.

Und ich denk noch so im Halbschlaf dran, dass Kind Nummer Zwei heute Sport hat, aber wie gesagt, Halbschlaf halt. Um 8:31 Uhr geht das Telefon. Eine Mutter, die in der Schule regelmäßig ehrenamtlich hilft, sagte, dass mein Sohn sie fragte, ob sie mich anrufen könne, er habe sein Sportzeug zuhause liegen lassen und ob ich es ihm bringen könnte.

Ehm.

Einerseits finde ich ja, dass es nicht mein Problem ist, wenn er abends (oder wegen meiner auch morgens) seine Sachen nicht zusammen bekommt. Da muss er dann einfach mal durch. Er ist immerhin mittlerweile neun. Andererseits hat das Kind Initiative gezeigt und nach einem Lösungsweg gesucht und ausserdem ist die Sportlehrerin noch sehr vom alten Schlag und eine Respektsperson. Von daher hätte er es ja schon verdient, dass…

Letztendlich gab den Ausschlag, dass ich schlicht noch nicht wach war, keinen Kaffee hatte und Sport quasi in den nächsten 20 Minuten angefangen hätte. Ohne meinen Sohn dann eben.

Ja, ich weiß, ich habe soeben in die selbstständige Zukunft meines Sohnes investiert und kann mich der Konsequenz rühmen. Aber ein schönes Gefühl war das nicht. Hrmpf.

 

 

Published in: on 17. Februar 2016 at 10:47  Comments (3)  

12 von 12 im Februar 2016

Mehr Fotos wie immer bei Caro.

Published in: on 12. Februar 2016 at 20:01  Schreibe einen Kommentar  

Sieben Wochen ohne

Nein, keine Angst, nur ich gerade wenig poste, ereilt Possums Welt nicht das gleiche Schicksal wie USAerklärt. Ich bin gerade nur etwas uninspiriert. Außerdem finde ich, dass 2016 mit all seinen prominenten und nicht prominenten Todesfällen, Nachrichten und was da sonst noch alles auf einen einstürmt,  doch sehr dimmt.

Was mich unglaublich nervt, denn eigentlich mag ich kein Leben auf Sparflamme führen. Also ist es Zeit, genau das zu ändern. Zwar gefällt mir dieses Jahr das Motto „Großes Herz, Sieben Wochen ohne Enge“ sehr gut, aber ich möchte weiter gehen. Ich will dieses Gedämpfte, dass sich gefühlt über die Republik gelegt hat, für mich wegreissen. Ich will mich nicht mehr von all den schlechten, noch schlechteren und ganz schlechten Nachrichten runter ziehen lassen.

Ich habe nur dieses eine Leben mit mir, meiner Familie und meinen Freunden. Und ich gedenke es nicht noch länger von außen lähmen zu lassen durch all das, was gerade so auf uns einprasselt.

Von jetzt an also „Seize the moment“. „Carpe Diem“. „Lebe jetzt.“

Das wird, so wie die Umstände sind, ein hartes Stück Arbeit. Ich bin es dann mal anpacken.

Published in: on 10. Februar 2016 at 07:39  Comments (1)  

Monatsrückblick Januar 2016

Gelesen: Shifter Geschichten…

Gesungen: Bowie-Songs, viele Bowie-Songs

Gesehen: „Les Liaisons dangareus“ vom Donmarwarehouse – sehr genial
Getrunken: zu wenig *seufz*

Gegessen: Nichts wirklich besonderes dieses Wochenende.

Gekocht: Zu wenig, leider

Gebacken: Wenn ich ein Waffelneisen gehabt hätte, dann hätte ich welche gebacken

Gefreut: über die Zeugnisse der Kinder

Gelacht: über mich selbst

Geärgert: über unfähige Call-Center-Mitarbeiter

Gekauft: Noch nichts, aber ich bin auch noch im Auswahlprozess unseres neuen Bades-

Gespielt: Go-Bang

Gefeiert: Einen nochmaligen Jahresbeginn

Gesportelt: Sagen wir, wir haben das Jahr langsam anfangen lassen.

Gefühlt: Freude, Hilflosigkeit, Wut, Spaß – einmal die Palette rauf und runter.

Geknipst: Bisseken Instragramm, mehr nicht….

Mehr beim wunderbaren, wenn auch gerade zahnlosen Schäfchen

Published in: on 31. Januar 2016 at 13:46  Schreibe einen Kommentar  

Was wäre, wenn….

wir uns alle mal um uns nur selbst kümmern würden?

Der Gedanke kommt mir immer häufiger, wenn ich die News lese, die mir aufgedrängelt werden und denen ich immer weniger entkommen kann. Das von einer Frau mit einem Kümmerer-Gen und einem verkappten Helfersyndrom gesegnet ist,  die es körperlich kaum ertragen kann, den Arm unten zu lassen, wenn irgendwelche Freiwilligen gesucht werden.

Was also wäre, wenn wir nicht nach außen schauen würden, sondern in uns rein. Was, wenn wir uns nicht aufhetzen und aufheizen lassen würden? Was, wenn wir uns ernsthaft fragen würden, was die Welt da draussen mit uns macht? Ohoh, gefährliche Gedanken, denn schließlich wissen wir, dass es Privates immer Politik und damit öffentlich ist und sich nicht kümmern in asozial. Aber spielen wir es doch mal durch.

Wie genau geht es mir und meiner Familie jetzt und heute ? Geht es mir besser oder schlechter  als vor einem Jahr bezogen auf die Nachrichten, die auf uns einstürmen (persönliche Tragdödien wie Tod und Krankheiten spielen jetzt hier also nicht rein)? Und bitte ganz ehrlich sein. Nun? Naaaaaa? Irgendwelche bösartigen Einschränkungen? Dinge, auf die wir verzichten müssen? Etwas, was ich so gerne haben will und was ich nicht haben kann (wohlgemerkt, immer in Relation zum letzten Jahr um diese Zeit gesehen – ich würde auch sehr gerne eine Weltreise machen, aber darum geht es hier gerade nicht).

Natürlich kann ich nicht für irgendjemand anderen reden, aber für uns ist da genau eine Sache, die gaaaaaanz eventuell was mit der derzeitigen politischen Lage zu tun hat: Kind Nummer Eins konnte in der U14 ihren ersten Spieltag nicht spielen, weil nicht genug Hallenkapazität zur Verfügung stand – wobei allerdings nicht klar ist, ob ebenjene Hallen von Flüchtlingen belegt sind oder ob es einfach Anfang des Jahres ist und andere Sportarten ihre Tuniere austragen (wie es hier im Dorf der Fall war). Das hat nun die schwerwiegenden Auswirkung, dass mein Kind einen Spieltag weniger hat, einen Sonntag quasi frei hatte und der Staffelleiter sich eine Ausnahmeregelung für die Staffel A und D einfallen lassen muß.

Ohweh.

Sonst geht es uns genauso wie letztes Jahr – wir haben genug zu essen, genug anzuziehen und genug freie Jammerkapazität, um uns über das Wetter auszulassen. Ich bin sogar letztens abends im Dunkeln als Frau alleine nach Hause gegangen, ohne von nord- oder südländisch aussenden Gestalten belästigt worden zu sein. Bin ich jetzt ein Mecker-Minderleister?

Nein, ich schaue auf mein Leben und darauf, was ich alles habe. Jaaaahaaaa, so schreit es mir von allen Seiten entgegen, noch. Noch geht es Dir gut, aber warte ab, wenn das so weiter geht, dann werden wir bald alle am Bettelstab gehen und unterdrückt werden. Weil die Menschen, die da in Lesbos an Land gespült werden nichts anderes zu tun haben, als uns das weg zu nehmen, was wir haben. Du Gutmensch, Du!

So wie damals die Ostpreußen nach dem Krieg und die Gastarbeiter in den 60er und 70ern – die haben ja auch alles getan, um uns das letzte Hemd zu raub…ok, schlechtes Beispiel, aber dieses Mal, dieses Mal wird es so sein!

Genau wegen dieses kruden Gedankenganges möchte ich, dass jeder auf sich schaut. Macht einen Faktencheck. Was ist heute objektiv schlechter als vor einem Jahr in Eurem Leben, was ihr nicht selbst verschuldet habt (upsi, vergaß ich vorhin etwa, die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber zu erwähnen?). Macht einen Ist-Status ohne „Ja, aber das geht nicht mehr lange so, ich sage es Dir!“ Dann, danach, schaut Euch um, wieviel Elend es hier in diesem Land gibt. Ohne Schere im Kopf, wer woher warum kommt oder ob derjenige hier schon sein Leben lang hier lebt.

Und dann sei verflucht noch mal dankbar. Dankbar, dass Du zu essen hast und gekleidet bist. Dass Du eine Heimat hast. Dass Du Deine Familie hast. Eine Wohnung, in der Du mit den Menschen leben kannst, die Du dafür erwählt oder in der Du Dein eigener Herr bist. Im besten Falle eine Arbeit. Alles das ist soviel mehr als andere Menschen in diesem Land haben. Egal, ob sie neu hier ankommen oder schon immer hier leben.

Jetzt – jetzt darfst Du Dich umschauen und Dir das Elend angucken. Anschauen, wieviele Menschen genau das alles nicht haben. Jetzt darfst Du schauen, was Du tun willst und zuzusehen, dass diese Menschen das bekommen, was Du für Dich absolut normal ansiehst. Denn dann brauchen wir keine Angst vor dem zu haben, was kommt.

Natürlich, Du kannst auch schauen, was Du alles nicht hast und denken, dass wenn wir nur alle hier rauskicken, die noch weniger haben als Du, du dann mehr bekommst. Hat ja all die Jahre so unglaublich gut geklappt, nicht wahr? Dann bist Du allerdings nicht nur ein herzlos und naiv, sondern du bist auch noch dumm.

Was für eine Erkenntnis! Das alles nur, weil Du einmal an nur Dich selbst gedacht hast. Verrückt.

 

 

Published in: on 27. Januar 2016 at 07:54  Comments (9)  

Dialog des Tages

Ich sitze mit einem Nachhilfeschüler über einem Diagnostic Paper, weniger um sein Wissen zu testen als vielmehr ein wenig die Stunde aufzulockern. Die Frage:

„Where does the Pope live?“ Antworten „In Rome“ „In Birmingham“ „In Nashville“

Antwort Schüler mit konzentriert gekräuselter Stirn

„Ehm – zuhause?“

Falsch ist das auch nicht…

Published in: on 19. Januar 2016 at 17:41  Comments (2)  

Von der Macht der Sprache

Mit der Sprache ist es ja so ein Ding, wir alle benutzen sie meist doch sehr unreflektiert und meinen oft was anderes als wir wirklich sagen. Damit meine ich uns alle, ich bilde da keine Ausnahme, nur damit man mich hier nicht falsch versteht. Menschen, die mich kennen wissen, dass ich der Ausbund an ungenauem Sprachgebrauch bin.

Doch selbst mir fällt zunehmend ein Satz auf, der immer wieder fällt und den ich so einfach nicht stehen lassen kann:

„In Deutschland darf man ja nicht mal mehr sagen, was man denkt.“

Diesen Satz habe ich so oder so ähnlich in den letzten Wochen häufiger gehört als mir lieb ist. Aber durch Wiederholung wird er nicht richtig, er bleibt sachlich falsch.

Ich bin sehr stolz darauf (hmmm, ja, spätestens hier kommen die ersten Kommentare, irgendwann schreibe ich mal was über Stolz, glaube ich) in einem Land zu leben, in dem ich ungestraft alles sagen darf, was ich will, es sei denn es ist verfassungswidrig oder im Rahmen der wehrhaften Demokratie verfolgbar. Wir reden da von einem Aufruf zum Staatsputsch und eine Diktatur zu errichten ist zugegebenermaßen strafbar, vor Beleidigungen und Bedrohungen wird in §1 geschützt.  Im Rahmen einer politischen Diskussion jedoch,  steht es mir frei zu sagen was ich will.

Ich werde für unliebsame Äußerungen nicht eingesperrt oder gefoltert. Ich bekomme kein Redeverbot, keinen Hausarrest, kann wo immer, wann immer rausschreien, was oder wen ich warum so richtig Scheiße finde. Die Regierung bedroht nicht meine Familie, wenn ich sage, was mir nicht paßt. Das ist Fakt. Punkt.

Eine andere Sache ist es, wie die Reaktionen einer oder mehrerer wie auch immer gearteter Gruppen  auf meine Äußerungen aussehen. Denn, und das ist die Crux, die Rede- und Meinungsfreiheit gilt nun mal für alle. Das ist blöde, aber so funktioniert das Spiel nun mal. Das muss nicht immer Spaß machen, ich erinnere mich beispielsweise  sehr ungerne an die Reaktionen auf meine Äußerung, dass ich Wunschkaiserschnitte total legitim finde. Hauerha. Ich hab mich ab einem bestimmten Zeitpunkt immer umgeschaut, ob vielleicht doch noch ein Spontangebär-Jünger mein Ungeborenes mittels natürlicher Zwangsgeburt vor dem Trauma seines Lebens retten wollen würde, indem er mich mit Räucherstäbchen, Himbeerblättertee und einer in natürlichen Wassergeburten ausbildeten, mantrasingenden Hebamme in ein total gebärfreundliches Zimmer sperrt – ohne Telefon natürlich, damit die Natur nicht durch schädliche Wellen welcher Art auch immer gestört werden mag. Aber ich schweife ab.

Das ist nur ein Beispiel, ich war in meinem Leben so gut wie immer anderer Meinung als ich nach dem Empfinden anderer Menschen hätte sein sollen und habe mit ebenjener auch niemals hinter dem Berg gehalten. Ich habe ausgeteilt und ich habe eingesteckt – aber das ist es doch, was eine Demokratie ausmacht. Ein offener Meinungsaustausch ohne Schere im Kopf.

Das gesagt, tun wir mal Butter bei die Fische (korrekte Sprache und so): In letzter Zeit kommt obiger Ausspruch meist mit einem Zwischensatz, der in etwa in folgende Richtung geht:

„Es ist ja schon soweit, dass man gar nicht mehr sagen darf, was man denkt, weil man dann ja gleich ein Rassist ist oder in die rechte Ecke gestellt wird.“

Nun kommt es ja immer noch drauf an, was man gesagt hat – vielleicht ist man ja sogar rechts, wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Die CSU lebt seit Jahrzehnten sehr gut damit und steht nun wirklich nicht im Verdacht, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ich selbst stimme mit dieser Partei und deren Ansichten so gar nicht überein, aber es gibt sie und das ist gut so (also, nicht gut Sinne, dass es solche Gesinnungsgenossen gibt, aber gut im Sinne, dass es sie geben darf. Logisch.)

Vielleicht ist man aber gar nicht rechts, sondern wird nur von einer bestimmten Gruppe so hingestellt. Oder mehreren. Vielleicht ist der politische Mainstream gerade auch nicht so, wie die eigene Meinung ist. Welcome to my life – das mache ich seit Jahrzehnten mit und lebe immer noch. Sehr gut sogar, wenn auch immer mal wieder aufregend. Vielleicht hat man sich aber auch einfach nur komplett falsch ausgedrückt. Vielleicht hätte man sagen sollen (um mal ein gerade sehr populäres Beispiel zu geben):

„Mich stört es, wenn man pauschal und ohne nachzudenken in die rechte Ecke gestellt wird, weil man der Meinung ist, dass straffällig gewordene (und verurteilte) Asylbewerber in ihre Heimatländer zurück geschickt werden sollten.“

Für mich ist das ein ganz anderer Schnack als ein pauschal daher geworfenes, komplett unreflektiertes „In Deutschland kann man ja nicht mehr sagen was man denkt.“ Denn das zeigt nicht, dass man eben nicht zum braunen Klientel gehört, sondern vor allem, dass man vom politischen System im eigenen Land so gar keine Ahnung hat und jeder Nicht-Deutsche, der seinen Einbürgerungsantrag stellt, mehr über das eigene Land weiß, als man selbst.

Mir geht es mitnichten (ein schönes Wort, wird viel zu selten genutzt) darum, Menschen zu verurteilen, die genau diesen Satz sagen. Mir geht es darum, darüber nachzudenken, was genau man denn da von sich gegeben haben und wie falsch es in Zweifel ist. Und welche Menschen sich genau das zunutze machen.

Damit eine ordentliche politische Diskussion endlich mal wieder möglich ist. Der rechtliche Rahmen dazu ist da. Es sind die Menschen, die es wieder versaubeuteln.

Published in: on 14. Januar 2016 at 21:58  Comments (5)  

Frohes Neues Jahr übrigens

Ich habe es versucht. Echt jetzt mal. Ich habe versucht, einfach meine Klappe zu halten, weil zu viele Leute schlicht zuviel Mist posten, wenn es um die Zusammenhänge, oder besser die Nichtzusammenhänge, von sexueller Gewalt und Asylrecht geht. Da sich mir dieser Zusammenhang nicht erschließt, befand ich es nicht wert, auf so einen Mist überhaupt irgendwas zu sagen. Aber irgendwann sind meine Selbstrestriktionsmechanismen ausgeleiert und ich kann nicht mehr.

Ich erinnere mich, ich war mal, damals in einem anderen Leben, in Dortmund auf einer Feier. Ich war um die 20, wollte was trinken und nahm deswegen die Bahn. Irgendwann nachts machte ich mich auf, heim in die schönste beste Stadt des Ruhrgebietes, Bochum zu fahren. Es war spät und ich sass alleine in der Bahn, als drei etwa ebenfalls 20jährige, nord- bis mitteleuropäisch aussehende Männer ins Abteil kamen und mich anmachten. Auf eine nicht schöne Art. Sie bedrängten mich physisch und verbal, ich versuchte es mit ignorieren, mit zurückpöbeln und die Strategie mit der Armeslänge klappte auch nicht. Irgendwann habe ich es körperlich mehr oder minder unversehrt aus dem Abteil geschafft.

Natürlich habe ich es nicht angezeigt, denn hey, es war ja nichts passiert. Ausser dass ich Todesangst ausgestanden habe und die eine oder andere ungewollte Hand wegschlagen mußte. Aber ich hatte keine Beweise. Ausserdem, ich kam von einer Party, so wie ich aussah hätte mich eh niemand ernst genommen (wer hier Parallelen zur jüngsten „Die Mädchen sollen sich nicht so aufreizend anziehen, dann passiert ihnen auch nichts“-Diskussion ziehen mag, dem steht das frei zu tun – für mich steht das identische Gedankengut hinter der Armeslänge). Ich habe die Jungs verflucht, mich und den Rest der Gesellschaft und ansonsten Gott gedankt, dass ich einer Gruppenvergewaltigung noch mal von der Schippe gesprungen bin.

Eins habe ich aber nie getan – sämtliche männliche junge Dortmunder unter den Generalverdacht gestellt, Frauen zu belästigen, weil das natürlich in der Natur des Dortmunders und seiner Sozialisation an sich liegt und als Beleg für diese These mehrere abwegige Theorien wie zum Beispiel das Verhalten des Dortmunder Mannes an sich in der Fankurve des BVBs herzuziehen. Das habe ich nicht getan, weil ich immer schon so ein unglaublich aufgeklärtes Ding war, sondern weil diese Herleitung schlicht schwachsinnig ist. Damals wie heute.

Es ist nicht rassistisch zu sagen, dass selbst wenn an es in der Silvesternacht Asylbewerber waren (und das hat verflucht noch mal erst als Fakt da zu stehen, wenn ein ordentliches Gericht sie für schuldig befunden hat), diese Kerle Arschlöcher sind. Aber es ist sehr wohl rassistisch zu behaupten, dass alle männlichen Asylbewerber welche sind, weil sie Frauen belästigen. Als mittlerweile mittelalte Frau, die gerne auch von fast Fremden als „MILF“ betitelt wird und von ebensolchen als für ihr Alter „echt noch sexy“ gehalten wird, darf ich mit Fug und Recht behaupten – sexuelle Grenzüberschreitungen jeglicher Couleur gibt es in Deutschland durch alle Alters-, Bildung- und ja auch kulturellen Schichten hindurch. Bevor das Bashing anfängt, sollten wir vielleicht mal vor unserer eigenen Tür kehren, denn vieles, was jetzt einen empörten #Aufschrei durch besorgte Bürger und noch besorgtere Medien erfährt haben (Achtung, ein F-Wort) Feministinnen schon lange angemahnt und wurden als „Frauen, die geistig dem Lila-Latzhosen-Alter noch nicht entwachsen sind“ belächelt.

Übrigens überschlagen sich jetzt dieselben Medien vor Empörung, die vom ganz alltäglichen, deutschen Sexismus sehr gut leben – sei es nun aufgrund von Werbung, beminirockten Moderatorinnen oder sehr eindeutigen Berichten, die genau in eine Richtung zielen. Danke auch.

Und noch eins: Das verdammt viel in dieser Nacht falsch gelaufen ist – das ist unbestritten. Die Polizei hatte eine falsche Strategie, auch aufgrund der Tatsache, weil die Politik viel zu viele Stellen gestrichen hat. Die Öffentlichkeitsarbeit und daraus resultierende Berichterstattung war von Anfang an eine Katastrophe. Aber der eigentliche Grund ist ein anderer – Kriminelle waren am Werk und haben anderen Menschen geschädigt. Oder anders ausgedrückt:

Arschlöcher gibt es überall.

Wenn wir jetzt mal bitte wieder auf eine sachliche Ebene runter kommen möchten und das Jahr noch mal anfangen könnten? Bitte? Danke.

Published in: on 10. Januar 2016 at 10:49  Comments (6)  

Frohe Weihnachten!

Ich wünsche allen Lesern und Ihren Lieben (wen immer sie auch dazu zählen mögen) gesegnete und friedliche Weihnachten!

Published in: on 24. Dezember 2015 at 15:59  Schreibe einen Kommentar  
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