Wenn zwei das Gleiche tun…

Heute ist Vatertag und an dieser Stelle einen Glückwunsch an alle Väter! Viele von Euch sind einfach großartig und Ihr macht einen wunderbaren Job!

Ich finde, das mußte auch mal gesagt werden, nach all den Allgemeinplätzen zum Muttertag, an dem immer gesagt wird, dass alle Mütter wunderbare Wesen sind und mit ihrer Aufgabe tadellos zurecht kommen. Das ist zwar so falsch wie heuchlerisch, aber das ist egal, weil es am Montag eh wieder vergessen ist.

Genau deswegen habe ich seit langem mal wieder an einer Aktion mitgemacht namens #Muttertagswunsch und #Vatertagswunsch. Die Hintergründe sind bei Frau Mutterseelesonig nachzulesen.

Mein Wunsch ist, dass endlich nicht mehr mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn es  um die Kinder geht.Es ist unfassbar, wie unterschiedlich in diesem Jahrtausend noch auf ein und dieselbe Sache reagiert wird, nur weil es das jeweils andere Geschlecht tut.

Es regt mich beispielsweise seit Kindergartenzeiten auf es total normal ist, dass Mütter die Brut jeden Morgen stoisch in die Kinderverwahranstalt bringen kurz zugenickt bekommen und dann wieder raus sind. Ein Vater, der das tut, vor dem wird vor Bewunderung fast auf die Knie gegangen. Wenn auch nicht jedes Mal, aber früher oder später kommt im Gespräch fast immer „Der Vater von der Helena-Magdalena, der kommt *jeden* Morgen und bringt die Kleine zur Kita. Toll!“ Hingegen habe ich noch nie gehört, dass jemand gesagt hat „Die Mutter von Paul-Oskar ist jeden Nachmittag pünktlich da, um ihn abzuholen. Wahnsinn!“

In die gleiche Kategorie fällt mein Lieblingsbeispiel, als der Autor fast in den Heiligenstatus gehoben wurde, weil ich mir meinen Muttergenesungsurlaub genommen habe, als Kind Nummer Zwei 10 Monate war und eine Woche eine Freundin in fernen Landen besucht habe. Als er hingegen ein paar Wochen später eine Woche weg war, um seinerseits mal rauszukommen, hielt sich die Bewunderung für mich in sehr eng umrissenen Grenzen.

Doch das Ganze ist keine Einbahnstrasse. Denn es schwingt auch immer Mißtrauen gegenüber den Vätern mit. Wenn das Kind krank ist, dann ist total normal, dass die Mutter daheim bleibt. Nun war das aufgrund der Selbstständigkeit bei uns tatsächlich so, dass das hier meist der Fall war. Die zwei, drei Mal, die der Autor daheim war, weil ich einen Termin hatte, kam immer dieser besorgte Blick „Ja, meinst Du denn, dass er das kann, was wenn es dem Kind schlechter geht?“ Dann tut er dasselbe, was ich tun würde – mit dem Kinde zum Arzt gehen.

Wenn ein Vater im Falle einer Trennung die Kinder bei sich haben will, dann hat das auch gerne immer mal den Nimbus von „Es geht ihm ja gar nicht um die Kinder, er will damit nur seine Macht demonstrieren.“ Bei einer Mutter wäre das absolut selbstverständlich.

Vater und Mutter sind für die Entwicklung der Kinder beide immens wichtig und so wünsche ich mir, dass gesellschaftlich anerkannt wird, dass hier im besten Falle zwei Leute an einem Strang ziehen, um die Brut gescheit groß zu bekommen. Beide machen mal einen guten, mal einen nicht so guten Job. Mein Wunsch ist es, dass wir mit dieser zweierlei Bewertung endlich aufhören und beide als eine Einheit begreifen. Dann würde sich mehr ändern, als wir uns vorstellen können.

Published in: on 5. Mai 2016 at 07:31  Schreibe einen Kommentar  

Rückblick April 2016

Ich red schon gar nicht mehr drüber, wie die Zeit vergeht….

Gelesen: „Passagier 23“ von Fitzek. Jedenfalls bin ich dran. Ach ja, und viel offiziellen Krams, wie Steuergesetze und Zulassungsbescheinigungen.

 Gesungen: Viele Ohrwürmer, die sich so tageweise in mein Hirn brennen.
Gesehen: Miss Fishers Murder Mysteries, Outlander, iZombie, Bones….

 

Gehört: Boss Hoss. Sehr viel.

Getrunken: Selbstgemachte Limoade, Wein und zuviel Kaffee.

Gegessen: Spargel, indisch, alles durcheinander gemischt diesen Monat

Gekocht: Die erste Suppe im Hexenkessel, sehr geil
Gebacken: Cinemon Rolls rauf und runter

Gefreut: Über den Vizelandesmeistertitel von Kind Nummer Eins.

Gelacht: Mit den Kindern….

 Geärgert: Über das Finanzamt.
Gekauft: Fliesen und ein bis zwei Badezimmer. Und Klamotten für die Kinder. Ach ja, und Schuhe – viele Schuhe!

 

Gespielt: Candy Crush tauchte plötzlich und unerwartet wieder auf…

Gefeiert: Besagten VizemeisterGesportelt: Mehr oder minder regelmäßig und strukturiert gelaufen
Gefühlt: Dankbarkeit und manchmal auch Unverständnis.

 

Geknipst: Alles, was mir vor die Linse kommt

Wer mehr lesen will, der mag sich beim Schäfchen umschauen.
Published in: on 1. Mai 2016 at 12:20  Schreibe einen Kommentar  

Dialog des Tages

Ich gehe mit einem Glas runter um mir Eis zu holen und sage in das Arbeitszimmer hinein:

„So, sechs Ladungen Wäsche weggeräumt – ich trink jetzt einen Gin!“ Stimme des 9-jährigen vom Computer

„Genau Mama, das hast Du Dir verdient!“

Note to self: An die Erhöhung des Taschengeldes des Kindes nächsten Monat denken.

 

 

Published in: on 22. April 2016 at 20:07  Schreibe einen Kommentar  

Wenn Besonderes zum Alltag wird

Eltern sind ja eine seltsame Spezies. Normalerweise vernunftbegabte Menschen mit einem gesunden Realitätssinn und Weltbild mutieren zu Wesen mit Scheuklappen, wenn es um ihr Kind geht.

Wieviele Kinder nichts, aber auch gar nichts dafür können, vollkommen ungerecht von nichtsnutzigen, völlig inkompenten Pädagogen gemaßregelt zu werden ist unfaßbar. Und noch unfaßbarer ist es, dass die gleichen Pädagogen nicht sehen, wie verzogen, schrecklich und gewalttätig die anderen Kinder doch sind und das eigene Kind hat geschützt zu werden. Und erst die Eltern dieser anderen Brut – die glauben doch tatsächlich, ihre Kinder könnten gar nichts dafür, diese realitätsfernen Gestalten.

Aber vor allem geht es darum, dass das eigene Kind „besonders“ ist. Ich schwöre, der nächste, der mir erklärt, sein Kind könne ja nichts für seine Probleme, weil es ein „besonderes Kind“ sei, den lache ich offen aus. Gleich, nachdem ich einen mittleren Schreikrampf für den Hausgebrauch bekommen habe. Einfach, weil es keine besonders besonderen Kinder gibt. Denn jedes einzelne Kind auf dieser Welt ist „besonders“. Völlig egal, ob es einen IQ von 130 oder einen von 75 hat. Egal ob es behindert oder das fleischgewordenes Musterbeispiel von gesellschaftlich favorisiertem Nachwuchs ist. Ob  ADHS oder die Konzentration selbst. Es ist schnurz. Jedes Kind ist einzigartig und hat als solches gesehen und behandelt zu werden. Rumzurennen und zu behaupten

„Mein Kind ist besonders!“ und zu erwarten, dass alle Welt vor lauter Ehrfurcht ob des Wunders der Evolution erstarrt, würdigt den Rest herab und ist damit unfaßbar respektlos den anderen Kindern und Eltern gegenüber. Es impliziert immer, dass das eigene Kind nach anderen Maßstäben und damit bitte besser behandelt zu werden hat, als andere Kinder, die sich bitteschön dessen bewußt zu sein haben. Ach so, und besondere Kinder sind übrigens nie schuld.

Newsflash: Wir sind hier nicht bei Orwell. Kein Kind verdient mehr Respekt als das andere.  Wahr ist, dass jedes Kind anders ist, es gibt nicht die Allheilmethode, jedes Kind muss als Individuum gesehen werden, mit all seinen Stärken und eben auch Fehlern. Es muß gefördert werden, so wie es seinen ureigensten Bedürfnissen im Guten wie im nicht ganz so Guten entspricht. Das Herauszufinden ist nicht einfach, es kann schmerzhaft aber auch   sehr erhellend sein. Mit Glück hört man dann auf, die Fehler ständig bei den anderen zu suchen. Das wäre doch mal ein Fortschritt.

Auch wenn wir tief in unserem Inneren natürlich trotzdem wissen, dass die wunderbarsten und besten Kinder immer noch die eigenen sind. Logisch.

 

 

Published in: on 15. April 2016 at 08:22  Comments (1)  

Momentaufnahme

Wahres Glück in diesen Tagen, in denen einem alle erklären wollen, wie schlecht es uns geht und wie gefährdet wir alle sind? Wahres Glück ist das, was es immer schon war: Die kleinen Dinge im Leben.

In meinem Fall:

Kind Nummer Zwei, dass mit einem Freund draussen irgendwas spielt, was viel Lachen verursacht. Kind Nummer Eins, dass gerade vom Training kommt und zufrieden oben in ihrem Zimmer ist. Abendessen im Herd, ein Buch in der einen und ein halber GinTonic in der anderen Hand und Sonne, die auf den Sessel scheint.

Ja, ich bin im Grunde ein sehr einfach glücklich zu machender Mensch. Aber vielleicht ist es genau das, was wir alle bräuchten. Dann bräuchte es auch keine Steueroasen mehr.

Published in: on 8. April 2016 at 18:05  Schreibe einen Kommentar  

Rückblick März 2016

Und wieder ein Monat um…

Gelesen: Viele Spielpläne, Karten und andere, sehr unromantische Dinge.

Gesungen: Radiosongs von aktuellen deutschen und polnischen Radiostationen rauf und runter. Ja, ich habe lange im Auto gesessen, diesen Monat.

Gesehen: Viele, viele Kreuze am Wegesrand, Volleyballspiele, die Altstadt von Danzig und die ersten drei StarWars-Filme partiell und unfreiwillig.

Gehört: Vögel am Morgen – viele Vögel am Morgen.

Getrunken: Ich wage es kaum zu sagen – Kümmerling. Und ich weiß jetzt wieder, warum ich sie jahrzehntelang vermieden habe…

Gegessen: Piroggie russki, Hirschsteaks, Saltimbocca, sehr viele Brote….eine Menge unterschiedlicher Dinge waren es.

Gelitten: Als meine Volleyball-Mädchen von einem Idioten rassistisch angemacht wurden.

Gekocht: Viel, aber jetzt nichts, was rausstach.

Gebacken: Eine Oreotorte.

Gefreut: Über den Geburtstag meines Kindes, über ein nettes, schönes und friedliches Osterfest im Kreise der Familie.

Gelacht: Mit den Mädels auf dem Geburtstag von Kind Nummer Eins.

Geärgert: Über grobe Unsportlichkeit und Unfairness

Gekauft: Viel Sportzeug hier und woanders. Erstaunlich, was man alles so braucht.

Gespielt: Dixit – sehr cooles Spiel.

Gefeiert: Ostern, die Geburstage von Kind Nummer Eins und dem Autor.

Gesportelt: sporadisch gelaufen und extensiv passiv mitgevolleyballt.

Gefühlt: Einmal die ganze Palette durch.

Geschrieben: Spielberichte und zuwenig Blogeinträge.

Geknipst: Basketball, Volleyball, Geburtstage – langsam brauch ich wirklich ein anderes Objektiv.

Mehr Rückblicke wie immer beim zauberhaften Schäfchen.

 

Published in: on 1. April 2016 at 19:30  Schreibe einen Kommentar  

Zitat des Tages

Kind Nummer Zwei ist ein paar Tage im Basketball-Ostercamp, wo er mittags auch verpflegt wird.

„Und, wie war heute das Essen?“ Muttern ist neugierig.

„Na, das Schnitzel war lecker, die Kartoffeln auch. Aber, Mama! Mama, die carrots und die peas – die waren sowas von aus der Dose. Das hat man gesehen und geschmeckt! Das macht man doch nicht!“

Possum 1, Autor 0.

Published in: on 30. März 2016 at 18:32  Schreibe einen Kommentar  

#Regretting Motherhood

Es gibt ja Themen, um die schleicht man sehr, sehr lange rum. Weil man Angst hat, was Falsches zu sagen. Weil sie verflucht komplex sind. Weil es schwierig ist, sich zu positionieren. Weil es einen zu sehr aufwühlt. Oder es kein „Richtig“ und kein „Falsch“ gibt.

Für mich gehört im Moment das Thema „Regretting Motherhood“, also das Bereuen der Mutterschaft, dazu. Die Emotionen kochen hoch, jeder hat eine Meinung dazu. Ich gebe zu, meine ist nicht so weltoffen, tolerant und nett wie sie sein sollte.

Nein, ich bin nicht der Meinung, diese Frauen sind alles Memmen und das Ganze ist ein Wohlstandsluxusproblem. Obwohl ich gerne zugeben möchte, dass ich einige Zeitgenossinnen gesehen haben, die sehr, sehr blauäugig in die Mutterschaft gegangen sind, sich genau gar keinem Realitätscheck unterzogen haben und sich dann wundern, dass das mit der Karriere und den Kindern nicht ganz so leicht ist, wie uns einige Leute mit genügend Ressourcen und einem lediglich rudimentären Schlafbedarf weiß machen wollen.

Ja, ich bin der Meinung, dass man auch dieses Thema durchaus enttabuisieren darf und sollte, gerne so wie weiland da der Wochenbettdepression, wo es eine Menge gebracht hat. Aber im Gegensatz dazu hat „Regretting Motherhood“ ein großes Problem: In dem Moment, wo man dieses Problem direkt thematisiert, egal wie sanft und sachlich man es auch versuchen, kratzt man im besten Fall an der Seele eines unschuldigen Menschen. Im schlechtesten Fall zerstört man sie.

Denn Kinder haben/hatten keine Wahl. Niemand hat sie gefragt, ob sie zur Welt kommen wollen. Sie werden durch die Entscheidung der Erwachsenen auf diese Welt gebracht und sind nun wirklich die Allerletzten, die etwas dafür können, dass sie nicht so sind, wie Papa und Mama sich das vorgestellt haben. Dummerweise sind sie die ersten, die darunter leiden.

Denn es ist illusorisch zu glauben, dass ein Mensch es nicht merkt, dass ein Elternteil eigentlich an einem ganz anderen Punkt im Leben sein will. Nur Liebe hilft da nicht. Eine Eltern-Kind-Beziehung ist immer Arbeit, die einem mal mehr mal weniger leicht von der Hand geht und wenn man den Job als solches nicht mag, dann wird man auch eher nicht gut drin sein.

Das wird natürlich nicht besser, wenn man alles in sich reinfrißt oder den Shitstorm der Gesellschaft auf sich lädt. Ein guter Therapeut oder eine Selbsthilfegruppe kann da im Zweifel Wunder wirken. Nur, und das ist das was anscheinend ebenfalls enttabuisiert wird, um sich selbst zu befreien scheint für einige Betroffene das Mittel der Wahl zu sein, dass man es dann irgendwann auch mal den Kindern sagt. Das ist wiederum ein Tabu, von dem ich der Meinung bin, dass es eines bleiben sollte.

Egal, wie alt man ist, man bleibt immer irgendwie Kind. Ich kenne Menschen, denen gesagt wurde, sie waren nicht gewollt. Man habe es sich das anders vorgestellt. Hätte man noch mal die Entscheidung, man würde sich gegen das Kind entscheiden. Es hat in diesen mittlerweile erwachsenen Menschen etwas zerbrochen. Sicher, sie hatten gemerkt, dass ihre Kindheit nicht so war, wie bei anderen, aber dieses Hören, dass sie ein „Fehler“ waren hat einfach irreparabel etwas kaputt gemacht. Dieses Mitteilen, dieses das eigene Gewissen erleichtern – das ist eine Art von Egoismus auf Kosten eines Menschen, der nun wirklich nichts für meine Entscheidung kann. Ich kann nicht nur nicht verstehen, warum man so etwas einem anderen Menschen antut, ich finde es auch verwerflich.

Zumindest in der westlichen Welt habe ich heute die freie Entscheidung, ob ich ein Kind bekomme oder nicht. Wenn ich die falsche Entscheidung getroffen habe, dann habe ich die Möglichkeit, mir Hilfe zu holen. Das ist gut und richtig und notwendig und verdient jede mögliche Unterstützung. Aber mit dieser mir eigenen, falschen Entscheidung denjenigen zu belasten, der am wenigsten dafür kann, damit man selbst damit besser leben kann, weil man sein Gewissen erleichtert und es mal „ausgesprochen“ hat – das halte ich für herzlos.

Und ja, ich gebe zu, dass ich da tatsächlich sage „Reiß Dich zusammen. Hol Dir Hilfe. Rede mit einem Therapeuten drüber. Mit anderen Betroffenen. Mit einer Freundin. Deinem Partner. Aber lass Dein Kind damit zufrieden.“

Und jetzt, weil es gerade so gut paßt – jeder nur einen Stein.

 

Published in: on 26. März 2016 at 07:32  Comments (8)  

Die Zeiten ändern sich – überall

Ich war am Wochenende mit dem Dorf-Volleyballverein meiner Tochter in Danzig beim Plantan-Cup – ein großartig besetztes Tunier mit Mannschaften aus Polen, Russland und ein fünf versprengten deutschen Teams. Eine wunderbare Erfahrung, nicht nur für die Mädchen.

Denn nach Stadtrundgang und erstem Treffen am Freitag, begann das eigentliche Tunier am Samstag mit dem Einmarsch aller Mannschaften zum Klassiker „Eye of the Tiger“. Jede Mannschaft hintereinander, das Schild mit dem Vereinsnamen vorneweg. Sehr ergreifend für die Kinder und Betreuer – doch halt…alle Mannschaften? Nein. Die Russen fehlten. Weil, so unsere Übersetzerin

„Die sind noch nicht da, die kommen erst noch. Ihr Visum ist nur für heute und morgen gültig. Die kommen gleich.“

Um mich rum nickte alles. Ich war die Einzige, die krampfhaft einen leicht hysterischen Lachanfall unterdrückte und es sehr seltsam fand, dass wir Deutschen mal eben ohne jegliche Kontrolle über die Grenze hopsen (wie weiland meine Freunde und ich zum Pommes-Essen nach Holland), während der ehemalige Bruderstaat ein Visum braucht, das strenger gehandhabt wird als eins von Deutschland nach China. Ich glaub, ich kann meine Westsozialisation auch nach 15 Jahren noch nicht so ganz leugnen.

Wie dem auch sei, die Kinder untereinander kannten da ja gar nichts – Gegnerinnen auf dem Feld, faire Sportlerinnen (jedenfalls zum allergrößten Teil) am Spielfeldrand. Es sind die kleinen Dinge, die Hoffnung in die Zukunft geben.

 

 

Published in: on 22. März 2016 at 08:04  Schreibe einen Kommentar  

Wenn man mal nicht dagegen ist – Teil 1

Ok, es ist gekommen, wie befürchtet, die AfD hat in den drei Bundesländern, in denen gewählt wurde ziemlich rasante Erfolge eingefahren. Das ist nicht schön, aber in einer Demokratie ist das eben so, auch wenn es uns Gutmenschen nicht immer gefällt.

Leider bringt es bei der Verhinderung weiterer Wahlerfolge meiner Erfahrung nach nichts, potentiellen AfD-Wählern mit Flüchtlingspolitik zu kommen. Been there, done that – und das Ergebnis auf mein „Du weißt schon, was für eine gequirlte Scheisse Du da redest.“ war geschocktes, ungläubiges Schweigen und der abrupte Aufbruch des Gegenübers. Ich denke nicht, dass ich ihn mit diesem zugegebenermaßen nicht sehr hieb- und stichfesten Argument in irgendeiner Form überzeugt habe.

Genauso sehe ich es gerade als vergebene Liebesmüh an, Überzeugungsarbeit zu leisten, indem man auflistet gegen was die AfD alles ist, denn genau das scheint ja der Kern des Übels zu sein. Erstmal dagegen sein. Das reicht erst mal. Denen da oben zu zeigen, dass es soooooo nicht geht. Nicht mit uns. So. Das habt ihr jetzt davon. Bis zu einem gewissen Grad kann ich das in der jetzigen Politiklandschaft sogar verstehen. Nur – was kommt danach?  Nur dagegen sein hilft bei er Veränderung der Mehrheitsverhältnisse, aber es muss ja irgendwie weiter gehen und zwar so, dass die Republik weiter bestehen bleibt.

Also drehe  ich den Spieß mal um und überlege nicht „gegen“ was man ist, wenn man die AfD wählt sondern „wofür“. Denn dann wird vielleicht klarer, dass diese Partei tatsächlich kein moralisch legitimer Protest ist, wie es einst die Grünen waren, sondern sich am extrem rechten Aussenrand befindet und ja, Vergleiche zu den Ideen der Nationalsozialisten nicht nur naheliegen sind sondern sich quasi aufdrängen.

Das Ganze wird eine lockere Serie, die immer dann fortgeführt wird, wenn mir was auffällt, denn sonst käme da niemand mehr durch.

Vorweg: Interessant übrigens, wie sich die Parteiprogramme von Sachsen-Anhalt und Baden- Württemberg schon in Aufmachung und Länge unterscheiden. Osten kurz und knackig mit Schlagworten, Westen elaboriert und doppelt so lang…wer will, kann sich da schon mal so seine Gedanken zu machen, wes Geistes Kind eine solche sicherlich nicht zufällige Differenzierung ist.

Fangen wir bei der Bildungspolitik an. Im Wahlprogramm Baden-Württemberg steht unter Punkt 7 folgendes:

(…)“Die Autorität der Lehrer stärken

Lehrer müssen wieder in die Lage versetzt werden, durch effiziente pädagogische Maßnahmen den Unterricht zum Wohle der lernwilligen Schüler zu gestalten.

Sowohl während des Unterrichtes als auch gegenüber Schulverweigerern ist Unterrichtsdisziplin einzufordern und konsequent durchzusetzen. Die Rektoren und Lehrer aller Schularten erhalten Rückendeckung der Schulbehörden, um überall die geforderte Disziplin durchzusetzen und die Konzentration auf Lernen und Lehren zu unterstützen.“(…)

 

Abgesehen davon, dass es zeigt, dass die Schreiber dieses Punktes genau gar keine Ahnung von Schulpolitik haben, denn es gibt bereits heute sehr klar definierte Mittel und Wege, das durchzusetzen, zeigt es doch, was die AfD wirklich will. Ist es heute so, dass im Falle eines Schulverweigerers geprüft wird, der Weg über verschiedene Instanzen eingehalten werden muss und alle Beteiligten angehört werden, will die AfD eine schnelle Lösung. Ein Kind, das nicht spurt? Soll aufgrund der Einschätzung eines einzigen Lehrers durch die pädagogische Erziehungshölle gehen, ohne dass die Eltern etwas dagegen tun können.

Denn was „geforderte Disziplin“ bedeutet ist nicht näher definiert und ein sehr schwammiger Begriff. Das kann natürlich bedeuten, dass eine angenehme Lernatmosphäre gemeint ist. Es kann aber auch genauso sein, dass man damit den Kadavergehorsam meint, der jedwedes eigenständiges Denken unterdrückt und jede unliebsame Diskussion, jedes Aufbegehren gegen eine Ungerechtigkeit des Lehrers als Disziplinlosigkeit gewertet wird. Was das mit einer Generation macht, dass haben wir in den Jahren gelernt, die die AfD als „Unglücksjahre“ betitelt und die bitte im Lehrplan relativieren (lies: zensieren) möchte, damit keiner auf die Idee kommt, Parallelen ziehen zu können.

Aber mal abgesehen davon: Die meisten Eltern sind ja der Meinung, dass *ihr* Kind in der Schule brav ist und die Störer sind die anderen. Die mögen bitte gerne endlich mal diszipliniert werden. So. Nämlich. Dumm nur, wenn der Lehrer das anders sieht und beim eigenen Kind disziplinarische Maßnahmen, deren Ausmaße ja in diesem Programm völlig offen sind, ergreift.

Ich gebe zu, es ist nervig, wenn das Kind in einer Klasse ist, in der es schwierige Kinder gibt (mache ich seit knapp drei Jahren mit, danke dafür). Aber es gibt Mittel und Wege, wie daran gearbeitet werden kann, es müssen nur Eltern, Lehrer und Schulamt an einem Strang ziehen. Dann braucht es auch keine Verschärfung sondern nur eine konsequente Durchsetzung der bereits existierenden Mittel.

Wer aber die AfD wählt, der ist dafür, dass sein Kind komplett dem Gutdünken und den daraus resultieren Disziplinarmaßnahmen eines Lehrers ausgeliefert ist, der völlig autark darüber entscheiden kann und das je nach Personlichkeitsstruktur im Zweifel auch tut.

Und dann habe ich diesen Typen wieder vor Augen, der auf der einen Seite für die AfD auf die Strasse geht und auf der anderen Seite sagt, dass er jeden persönlich aufhängt, der seinem Kind auch nur einmal dumm von der Seite ankommt. Hmmm. Das ist ein Szenario, dass es fast wert wäre zu sehen. Wenn es nicht auf Kosten eines unschuldigen Kindes ginge.

Das nächste Mal schreibe ich dann darüber, wie unglaublich entwertet ich mich als Ehefrau fühle, wenn die Institution der Ehe für gleichgeschlechtliche Ehepaare geöffnet wird. Not.

Published in: on 15. März 2016 at 08:53  Comments (11)  
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