Food, Reise

Bibimbap und andere Weisheiten des Lebens

Warum kann ich nur nicht auf anderer Leuts Ratschläge hören?

Ich war mittags auf dem Namsan essen. Das geht auch ohne Dolmetscher recht gut. Fehlende Sprachkenntnisse werden einfach dadurch kompensiert, daß man (wenn es kein englischsprachiges Menue gibt) den Kellner nach draußen zerrt und ihm zeigt, was man essen will. Und obwohl Asiaten generell extrem frisches Essen mögen, zeigt man ihnen nicht den gerade vorbeilaufenden Hund, den man gerade möchte, sondern das appetitlich ausgestellte Essen im Schaukasten des Restaurants. Viele Lokale haben so ein Teil, damit man animiert wird reinzukommen und genau das zu essen. Übrigens sieht das was auf den Tisch kommt dann wirklich genauso aus wie im Schaufenster. In meinem Fall hatte ich mich für ein leckeres Bibimbap entschieden: Das ist eine heiße Schale, in der von unten nach oben Reis, Gemüse und Ei geschichtet wird und die am Tisch noch nachgart. Sehr lecker. An sich. Wenn man einen wichtigen Ratschlag befolgt. Unter dem Gemüse und über dem Reis in einer Zwischenlage befindet sich eine rote Sosse (manchmal wird diese Sosse auch seperat gereicht, aber da ist was für Weicheier).

Einer der Ratschläge, die ich gleich zu Anfang gehört habe, war:“Rote Sosse ist hier niemals Tomatensosse, es ist immer rote Pfeffersosse. Und die scharf. Richtig scharf“ Aber manchmal bin ich wie ein Kind und muß meine Erfahrung selbst machen. Statt also wie ein ordentliches Rundauge die rote Sauce bis auf einen winzigen Rest fein säuberlich aus der Zwischenlage zu sezieren, habe ich großzügig umgerührt. Ich mag scharfes Essen. Wirklich. Immer noch. Nur habe ich scharf jetzt einfach anderes definiert. Übrigens hilft die zum Bibimbap gereichte klare Brühe nicht wirklich gegen die Schärfe, ich hätte gerne ein Glas Milch oder so gehabt. Oder wenigstens einen dieser geschmacklosen Reiskuchen. So habe ich aber sehr zur deutlichen Freude der umsitzenden Koreaner nach Luft geschnappt und mir für hiesige Verhältnisse sehr unfein die Nase am Tisch geputzt – manchmal kommen schlichte Notwendigkeiten einfach über Konvention. Ich sag ja, auf Reisen lernt man für´s Leben. Meine Lektion lautete: Höre auf Deine Freunde.

Aber ich hatte einen tollen Ausblick beim Luftschnappen!

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