Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt

Obwohl meine Kinder mittlerweile zehn und sechs Jahre sind, krabbelt mein Sohn immer noch jede Nacht ins Bett meiner Tochter. Bisher dachte ich immer, sie duldet das nur, weil sie heimlich ihren Bruder doch irgendwo mag. Doch seit gestern abend bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Kind Nummer Eins war es nicht gut irgendwie, also gab ich die Order an Kind Nummer Zwei raus, doch bitte mal in seinem eigenen Bett zu bleiben, denn wenn ich was nicht brauche, dann sind das im Zweifel zwei kranke Kinder. Großes Gemurre aus der Untereinsfünfundzwanzig-Fraktion. Aber erstaunlich schnelle Stille.

Als ich dann später hochkam, war nicht nur mein Sohn nicht in Tochters Bett, sondern sie selbst auch nicht. Sie war auch nicht in unserem Bett. Sie war in seinem Bett und als ich sie sacht rüber bringen wollte, kuschelte sie sich noch ein wenig mehr an ihn und murmelte was von

“…nur gesagt, nicht in meinem Bett…!”

Und jetzt bitte ein kollektives “Awwwwwwweeee!”

Published in: on 22. Oktober 2013 at 06:57  Kommentare (4)  
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Zwei Freunde sollt ihr sein

Meine Tochter spielt jetzt in der Klassenfußballmannschaft mit, die in einigen Tagen ein Schultunier hat. Und nicht nur das, sie ist auch Kapitänin – weil die Jungs sich nicht einig werden konnten und sich dann irgendwann gesagt haben, wenn sie sich wegen sowas nur streiten, dann könne es ja auch ein Mädchen werden. Vielleicht nicht die ganz richtige Intention, aber das Ergebnis stimmt schon mal.

Damit hat sich alles in diesem Hause geändert. Es gibt bei Tisch keine Querelen mehr, kaum noch andere Streits und kein

“Dürfen wir schon Shows?”.

Denn es wird in jeder Minute, die die beiden zusammen sind, Fußball gespielt.
Geht das gerade nicht, weil es dummerweise gerade Essen gibt, so werden die Eltern quasi ausgeblendet. Es werden Strategien erörtert, verworfen, neue entworfen, diskutiert. Und, Wunder über Wunder, die Große läßt sich vom Kleinen Tipps geben. Der wiederum bewundert Kind Nummer Eins ob ihrer neuen Stellung ohne Ende.

Es ist unglaublich. Ich bin sehr gespannt, wie lange das so gehen wird, aber einstweilen tue ich das, was jedes Elternteil mit einem Funken Überlebenswillen tun würde. Sie einfach nur lassen. Denn ich sehe den Tag kommen, an dem auch diese Phase vorbei sein wird.

Published in: on 6. Juni 2013 at 17:44  Hinterlasse einen Kommentar  
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Die große Welt der Zahlen in einem fünfjährigen Universum

Ich bin gestern mit meinem Sohn zu Fuß in den Kindergarten gegangen, weil sein Fahrrad aufgrund einer Planänderung am Tag davor noch ebenda stand. Mein Sohn findet laufen langweilig, deswegen fing er an zu zählen. Eins, zwei, drei…bis Hundert. Und zwar erstaunlich vollständig. Lediglich die 16, die 17 und die 88 fehlten.

“Sag mal, wo hast Du denn bis 100 zählen gelernt?” Mutter war mehr als erstaunt.

“Na, beim Schäfchen zählen. Du hast doch gesagt, ich soll Schäfchen zählen.” Ja, schon, aber gleich bis 100?

“Ach, sind die gesprungen oder gelaufen?” Details, mein Sohn, Details.

“Ne, die haben gestanden, sonst gibt das so ein Durcheinander.” Mein Sohn, der Ordnungsfreak. Man lernt immer mal dazu.

“Ah, ok. Das war dann aber eine große Herde.” Jedenfalls für so ein kleines Kinderhirn.

“Naja, ich glaub, ich hab manche doppelt gezählt!” Ah, ach so. Na dann.

“Und was hast Du gemacht, wenn Du bei 100 angekommen bist?” Denn das Zahlenkonzept über 100 hat er sichtlich noch nicht verinnerlicht.

“Ach, bevor ich da von vorne anfange, da schlaf ich dann lieber ein. Wird dann ja auch langweilig!” Genau. Da ist schlafen doch viel spannender.

Published in: on 18. April 2012 at 06:28  Kommentare (1)  
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